Knecht Ruprecht und Co.

Wieso stellen wir die Schuhe bzw. Teller vor die Tür? Warum kommt der Nikolaus häufig mit einem Begleiter, z.B. dem Knecht Ruprecht? Welche Bedeutung haben die Begleiter des Nikolaus? Warum gibt es am Nikolaustag Geschenke?

Ein Vorläufer des Einlege- und späteren Einkehrbrauches ist das Auswerfen von Nüssen, Äpfeln und Gebäck in einen Raum, in dem sich die Kinder der Familie aufhielten. Auch konnten über Nacht Geschenken im Zimmer ausgelegt werden.
Ursprünglich stellten Kinder kleine, selbst gebaute Schiffchen (Erinnerung an das Schifferpatronat des Heiligen) auf, in die der Nikolaus Geschenke und Süßigkeiten legen soll. Der Einlegebrauch kann direkt aus der Mitgiftlegende abgeleitet werden. Ebenso wie die drei Töchter bekommen die Kinder vom Nikolaus Geschenke gebracht. Später wurden aus den Schiffchen Socken, Stiefel oder Teller.

In einem alten Spruch heißt es:

Sankt Nikolaus, leg mir ein,
was dein guter Wille mag sein.
Äpfel, Nuss und Mandelkerne
essen kleine Kinder gerne!

In den katholischen Gegenden wurde im 17.Jahrhundert im Zuge der Gegenreformation der Einlegebrauch durch den Einkehrbrauch abgelöst. Das Fest sollte einen erzieherischen Charakter bekommen. Nikolaus kehrte mit Gefolge in jedes Haus, in dem Kinder wohnten und fragte diese ab. Zum Beispiel ob sie ihre Gebete verrichtet hatten oder den Anordnungen der Eltern gefolgt waren. Die Guten wurden belohnt und die Ungehorsamen verwarnt. Der christliche Einkehrbrauch soll nach einer anderen Auslegung eine Vereinnahmung eines germanischen Wotankultes sein.

Das Schenken hatte früher Symbolcharakter und leitet sich aus der Mitgiftlegende ab. Der Heilige Nikolaus schenkt aus seinem Privatvermögen, um den Mädchen zu helfen. Die Armen und Bedürftigen bekamen Dinge geschenkt, die sie dringend benötigten, sowie Essens- und Trinkbeigaben, damit sie mit feiern konnten. Nachdem der Kinderbeschenktag auf den 6.Dezember gelegt wurde, erweiterte sich der Kreis der Beschenkten um die Kinder. Im Laufe der Zeit wandelte sich das und das Schenken sollte die Freude vermitteln, die dieser Festtag bot.

Die Begleiter des Nikolaus

Beim Einkehrbrauch wird der Nikolaus in vielen Gegenden fast immer von einer Figur begleitet, die als gezähmter Teufel deutbar ist. Oft ist es ein geschwärzter und in Ketten gelegter Poltergeist, der Rute und Sack mit sich trägt. Diese finstere Figur bildet einen Gegenpol zu der gütigen und freundlichen Gestalt des Nikolaus. Die Belohnung der Kinder erfolgt immer durch die Person des Heiligen Nikolaus, wohingegen sein böser Begleiter die Ungehorsamen bestraft. Das Böse straft das Böse, befindet sich aber in der Gewalt des Guten, nämlich des Heiligen Nikolaus.
Der Nikolausbegleiter hat viele Namen und sein Erscheinungsbild variiert je nach Region. Der verbreitetste Name ist Knecht Ruprecht/rauer Knecht/rauer Percht, wobei Percht (in Ruprecht enthalten) eine Bezeichnung im süddeutschen Sprachraum für den Teufel ist. Die Namen wie Hans Muff, Böser Klaus etc. zeigen die Auflösung der Heiligen Legende. Neben der oben beschriebenen Figur kann der Begleiter auch in Form mittelalterlicher Allegorien, die menschliche Laster verkörpern, erscheinen: Bären, Esel, Böcke und die raue Perchta.

Bezeichnungen für die Figuren sind:
Gesamter deutschsprachiger Raum: Knecht RuprechtAllgäu: Rumpelklas
Baden: Pelzebub
Eifel und Mosel: Pelzebock
Nördliches Bayern: Klaubauf
Mecklenburg: Ruklas, Rupsack
Niederrhein: Hans Muff, Düvel, Zink Muff
Pfalz: Hans Trapp
Schwaben: Butz
Westfalen und Norddeutschland: Ascheklas, Bullerklas, Klas Bur
Frankreich: Père Fouttard
Niederlande: Pietermann, Swarte Piet
Ostalpen: Leutfresser
Österreich und Bayern: Krampus
Schweiz: Düsseli, Schmutzli

Nach der Interpretation einiger Volkskundler symbolisieren die bösen Gestalten, die den Nikolaus begleiten, den germanischen Gott Wotan. Der Gott Wotan hatte vor der Einführung des Nikolaustages seinen Festtag am 6.Dezember. Auch an seinem Fest sollen Schuhe vor die Tür gestellt worden sein, die mit Futter für Wotans Pferd gefüllt waren. Dafür erwarteten die Kinder eine Belohnung.

Die Kinder fürchteten sich nicht nur vor Knecht Ruprecht wegen seiner Rute, sondern vielmehr Angst verbreitete der Sack (oder auch Kiepe), den er bei sich trug. Denn in diesem Sack werden nicht nur die Geschenke angeschleppt, sondern die Unartigen steckte der Böse laut Anweisung des Nikolaus in den Sack. Damit wird der Sack zum Symbol des Höllenschlundes. In der mittelalterlichen Auffassung fiel derjenige in den Höllenschlund, der vor Gottes Gericht keine Gnade fand. Der Nikolausbesuch war ein Weltgericht im Kleinen für Kleine. Diese derbe und sehr zweifelhafte Erziehungsmethode hatte ihren Ursprung im mittelalterlichen Seelenfresser. Dieser fraß die Seelen derer, die dem Satan verfallen waren. Daraus wurde später im süddeutschen Raum der Kinderfresser im Nikolausbrauch.

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