Immergrünes und andere Zweige

Am Barbaratag holen sich die Menschen frische Obstzweige in die Wohnung, um Glück zu haben. Die vorweihnachtliche Zeit im Haus wird mit Hilfe von Misteln und Tannen verschönert. Was bedeuten diese Bräuche und woher stammen sie?

 

In der dunklen und kalten Jahreszeit hatte der Mensch stets dass besondere Bedürfnis, sich etwas Frisches und Lebendes ins Haus zu holen. Gesundheit, Leben und die Hoffnung auf den Frühling sollte das Immergrüne ins Haus bringen. Auch sollten die immergrünen Pflanzen die bösen Dämonen verscheuchen und die guten Geister beherbergen. Beliebt waren bzw. sind besonders Zweige von Tannen bzw. Fichten, Eiben, Buchsbäumen, Stechpalme, Wacholder und natürlich der Mistel. Heute noch sind immergrüne Pflanzen Symbole für die Ewigkeit, das Paradies, Treue und Beständigkeit.

Fichte

Tannen- oder Fichtenzweige, beliebt am Adventskranz  oder als Weihnachtsbaum, sollen das Leben symbolisieren. Für frühere Völker war die Tanne, die sog. Trägerin des Lichtes, ein Baum mit außergewöhnlicher magischer Kraft, sie galt als Sinnbild für Stärke, Hoffnung, Schönheit und Wiedergeburt. Im heidnischen Glauben stellen die Tannenzweige den Sieg des Lichtes über die Dunkelheit dar. Hildegard von Bingen empfahl die Tanne zum Schutz vor Geistern. Unumstritten ist, dass die ätherischen Öle des Harzes ein wirkungsvolles Lungenmittel sind, deswegen werden sie heute noch gerne für ein Erkältungsbad genommen. Die Fichte betrachtete man in früherer Zeit als einen weiblichen, bergenden und bewahrenden Baum, der die Fähigkeit hatte, Krankheiten von den Menschen zu übernehmen, so dass diese geheilt wurden.

Der Wacholder, eine stark duftende Pflanze, wurde als Zauberholz betrachtet, mit dessen Hilfe man böse Geister, Krankheiten, im Prinzip alles Ungute vertreiben konnte. Ihm wurde nachgesagt, dass er Sterbende am Leben erhalten könne und unter bestimmten Voraussetzungen könnte er Tote zum Leben erwecken. In der Pestzeit glaubte man, dass der Wacholder einen Schutz vor Ansteckung bot. Die Zauberkraft des Wacholders solle aber nicht nur in seinem Duft bzw. beim Verbrennen im Rauch liegen, sondern auch in dem Holz, deswegen wurden gerne Fässer und Trinkgefässe aus Wacholderholz hergestellt.

Wacholderzweige über der Tür oder im Stall hielten Teufel, Hexen, Zauberer, Geister, Diebe und Giftschlangen fern, mit ihnen konnte man verhexte Gegenstände unschädlich machen und vom Zauber befreien.

Die Stechpalme wird vor allem wegen ihrer grünen Blätter und roten Beeren, die zur Weihnachtszeit reif sind, gerne zur festlichen Dekoration genommen. In England ist die Stechpalme sogar die einzige heimische Pflanze, die nicht ihre Blätter abwirft. Diese Eigenschaft machte sie zum Symbol für immerwährende Lebenskraft, die den Winter hindurch nicht an Vitalität verliert. Sie war für die Kelten der Herr des Winters. Aufgrund der Farben, grün und rot, wurde sie auch zum Sinnbild von Hoffnung und Liebe und als immergrüne Pflanzen stand sie ebenfalls für die Unsterblichkeit. Für die Christen des Mittelalters war die Stechpalme heilig, da sie in ihr ein Sinnbild Christus sahen. Im Volksglauben verhieß sie Glück und bot Schutz vor bösen Geistern oder auch Blitzschlag, wenn man sie in Haus nähe pflanzte. Bei den römischen Saturnalien (Fest zu Ehren des Gottes Saturn) verschenkte man Stechpalmenzweige als Symbole der Gesundheit und des Glücks.

Die Eibe gilt als Charakterbaum germanischer Wälder, sie ist der heilige Baum der Germanen. Die Germanen hatten für sie eigens eine Rune: Eihwaz.. In ihrer Mythologie glaubten die Germanen, dass eine Eibe ums Haus gepflanzt Schutz vor Hexen und bösen Geistern bot und sogar Blitzeinschläge verhindern konnte. Sie zu fällen brachte Unglück. Auch den Kelten war sie heilig; sie fertigten daraus ihre Zauberstäbe und sie war der Baum der Druiden. Die Eibe ist den Göttern der Unterwelt geweiht, und das in jeder Kultur, da man sich mit ihrer Hilfe sehr schnell dort hinbefördern konnte und kann. Vielleicht trifft man sie aus diesem Grund so häufig auf Friedhöfen (Symbol der Totenruhe). Fast alles ander Eibe ist extrem giftig, wenn man z.B. die roten Beeren mit den Kernen zu sich nimmt, kommt es zu Herzrasen und Atemnot. Der Zustand endet mit einer Lähmung. Die tödliche Dosis dürfte vorsichtig geschätzt bei drei bis fünf Kernen liegen. Man geht davon aus, dass die Germanen dieses Eibengift auf ihre Pfeile strichen. Da alle Teile der Eibe giftig sind, machte diese Tatsache den Baum besonders aus medizinischen, als auch waffentechnischen Gründen interessant. Aufgrund der halluzinogenen Wirkung, die Träume hervorrief, galt die Eibe als Vermittler zwischen Realität und Anderer-Welt (Weltenvermittler)

In sehr früher Zeit waren weite Teile Deutschlands von Eibenwäldern bedeckt, und Cäsar waren sie gar nicht geheuer. Seinen Mannen haben wir es denn auch zu verdanken, dass wir jetzt nur noch wenige von diesen mächtigen Bäumen bestaunen können. Er begann mit der Rodung der Eibenwälder, denn das Holz eignete sich wie kein anderes zum Bogenbau. Eine Eibe kann bis zu 2000 Jahre alt werden und braucht sehr, sehr lange, bis sie von einem kleinen Pflänzchen zu einem stattlichen Baum geworden ist. Dieser Baum markierte und markiert auch heute noch heidnische Plätze. Manchmal wurden sie auch von der christlichen Kirche adaptiert, so dass man plötzlich eine uralte Eibe neben einer Kirche findet, die wesentlich jünger ist.

Die Eibe symbolisiert wegen ihrer Art des Wachens Unsterblichkeit und den Zyklus des Todes und der Wiedergeburt. Wenn der Baum wächst, wird der Stamm innen weich und verrottet. Aber innerhalb der Eibe wächst ein neuer Schössling. Wenn dieser heranreift, beginnt der gleiche Prozess von vorne, bis der Baum aus vielen Bäumen besteht, die aus der Mitte herauswachsen. Dank dieser wundersamen Erneuerung kann die Eibe enorm groß und alt werden. Man sagt, sie habe viele Leben hinter sich und wecke unsere Erinnerungen an frühere Leben. wegen ihrer Langlebigkeit ist die Eibe auch ein Symbol der Weisheit. Sie gilt in der germanischen Mythologie als der Lebens- bzw. Weltenbaum.

Eine interessante Bedeutung fand auch die Wissenschaft: Die Eibe ist der tatsächliche Baum des Lebens. In ihrer Rinde und in den Nadeln findet sich das Alkaloid Taxin, aus dem man nun einen Wirkstoff isolierte, den man TAXOL nannte. Dieser Wirkstoff kann Krebs stoppen. Das Problem: Man braucht Unmengen von Eibennadeln und Rinde, um diesen Stoff zu gewinnen. Mittlerweile ist es möglich, TAXOL auch synthetisch herzustellen, was die letzten Eiben der Welt retten dürfte.

Die Eibe gehört zu den aussterbenden Arten in unseren Wäldern und ist deshalb geschützt. Lediglich bei Paterzell in Oberbayern gibt es noch einen kompletten kleinen Eibenwald.

Der Mistelzweig sind weitere immergrüne Pflanzen, die zu Weihnachten gerne verwendet werden. Die gemeine Mistel ist eine schmarotzende Pflanze. Sie galt jedoch schon bei den Römern als Symbol des Lebens und Überlebens, da sie auch im Winter ihre grünen Blätter behält. Misteln erreichen ein Alter von 70 Jahren. Ein Baum kann viele Jahrzehnte mistelbewachsen leben bevor er durch Aussaugung abstirbt. Warum die Mistel für Weihnachten solch eine Bedeutung hat, ist nicht bekannt, jedoch reifen ihre Beeren nur zur Weihnachtszeit heran und jede Menge Sagen und Brauchtum wird mit ihr in Verbindung gebracht.

In der nordischen Edda-Sage wird der Lichtgott Baldur mit einem Mistelzweig ins Herz getroffen. Freya hatte, von Träumen ihres Sohnes Baldur beunruhigt, allen Wesen und Dingen den Eid abgenommen, Baldur nicht zu verletzen. Nur die Mistel, die östlich von Walhalla versteckt auf einem Baume wuchs, war von ihr übersehen worden. Der auf Baldur neidische Loki entlockte der Göttermutter dieses Geheimnis, holte einen Zweig der Mistel, gab ihn seinen blinden Bruder Hödur, richtete dessen Hand aus und als dieser einen Pfeil schoss, fiel Baldur tot nieder.

Die Kelten bezeugten der Mistel höchste Verehrung, sie wurde als Allheilerin betrachtet. Diese Verehrung erstreckte sich auch auf den Baum auf den sie wuchs, besonders wenn es eine Eiche war. Eine Eichenmistel wurde von den Druiden im Rahmen einer großen Feier am sechsten Tage nach Neumond vom Baum geholt, indem einer von ihnen in weißen Kleidern auf die Eiche stieg, die Mistel mit einer goldenen Sichel abschnitt und sie dann, in seinen Mantel gewickelt, dem Oberpriester übergab. Sie wirkt gegen alle Gifte und soll unfruchtbare Tiere fruchtbar machen. Auch bei den Griechen galt sie als ein Mittel gegen Gift.

Die Mistel ist dem Gott Donar geweiht und schmückt zum Julfest (Mittewinter) die Räume. Noch heute darf jedes Mädchen, das zu Weihnachten unter dem Mistelzweig steht, geküsst werden. Diese Tradition wird von manchen auf die Saturnalien in Rom zurückgeführt, bzw. andere sehen die Wurzeln in einem skandinavischen Glauben.

Werden die Mistel gepflückt, dürfen die Zweige die Erde nicht berühren, sie müssen mit einem weißen Tuch aufgefangen werden. Die Mistelbeere, in Silber gefasst und am Hals getragen, schützt gegen Verhexung. In Holstein banden sich unfruchtbare Frauen einen Mistelzweig um den Hals oder legten ich ihn unter das Kopfkissen. Auch gilt die Mistel seit dem Altertum als ein Mittel gegen Epilepsie und Schwindelanfälle.

Unseren Vorfahren erschien die immergrüne Pflanze geheimnisvoll, da sie so hoch oben in den Bäumen wuchs; weil sie so geheimnisvoll waren, sollten die Misteln auch über zauberhafte Kräfte verfügen. Man glaubte, dass sie vor Feuer schützen könne und hängte sie deshalb an die Hauswand, damit sie Hexen und böse Geister am Eintritt hindere. Man glaubte auch, dass Misteln – ebenso wie vierblättrige Kleeblätter- oder Hufeisen – Glück bringen – aber nur demjenigen, der sie zum Geschenk erhält, nicht wenn man sie sich selbst kauft!

Im Christentum schließlich soll sie der Baum gewesen sein soll, aus dessen Holz das Kreuz gemacht war, an dem Christus starb. Vor Schande soll der Baum eingetrocknet sein, um sich in eine Pflanze zu verwandeln, die allen Gutes bringt, die unter ihr hindurchgehen. Sie wurde das Symbol für Mut, Gesundheit, Fruchtbarkeit und Glück. Im Mittelalter gehörte sie zu den wichtigsten Heilpflanzen, und nachdem sie jahrzehntelang “verteufelt” war, bestätigt die moderne Medizin – auch die Schulmedizin – heute die Heilfähigkeiten der Misteln. Lange Zeit war die Mistel im empirisch-medizinischen Bereich zur Behandlung der Fallsucht in Gebrauch, in Form von Teedrogen hat sie sich bis heute in der Behandlung milder Formen der Hypertonie bewährt. Misteln enthalten Stoffe, die den Blutdruck senken und die Gefäßverbreiterung fördern. Deshalb gewinnt man diese Stoffe auch für Medikamente gegen Arteriosklerose. Eine Lehre der Druiden besagte, dass Misteln alles heil und fruchtbar machen würden. Dadurch, dass sie auch im Winter grüne Blätter tragen, sind sie ein Symbol für blühendes Leben.

Aber nicht nur immergrüne Pflanzen stellten sich die Menschen in der dunklen Jahreszeit in die Häuser. Besonders beliebt waren Obstzweige (meist Kirschzweige) die am sogenannten Barbaratag, dem 4.Dezember, geschnitten und in eine Vase mit Wasser gestellt werden. Mit Glück blühen sie dann am 24.Dezember. Dieser Brauch am Barbaratag soll den Frühling beschwören. Von den Zweigen, die man am 4.Dezember ins Zimmer holt, damit sie zu Weihnachten blühen, heißt es, dass sie uns die Zukunft prophezeien:

Früher, als junge Mädchen in einer guten Partie die beste Zukunft sahen, stellten sie Zweige mit den Namen ihrer Favoriten ins Wasser. Verdorrte ein Zweig, war die Sache eindeutig, bei allen anderen wurde es dann bis Weihnachten spannend.

Apfel- oder Pflaumenzweige in voller Blüte verheißen gute Obsternte, die Haselnuss kann Glück und Reichtum bedeuten. Mit Kirschzweigen hat es eine besondere Bewandtnis, die bei der Geschichte der Heiligen Barbara nachgelesen werden kann.

Vorgehensweise für die Barbarazweige:

Die Zweige (z.B. Obstbaum, Forsythien), die vor Sonnenauf- bzw. –untergang geschnitten werden sollen, müssen in lauwarmes Wasser gelegt werden und erst am darauffolgenden Tag in eine Vase gestellt werden. Die größte Chance auf eine Blüte zu Heilig Abend erhält man, wenn die Zweige neben einen Heizkörper gestellt werden. Viel Glück dabei!

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